Bis Ende August schon 48 Hitzetage im Jahr 2026 – was ursprünglich erst für die Jahre 2071 bis 2100 prognostiziert wurde, ist teilweise schon heute Realität. Was bedeutet das für unsere Gärten? Und wie können wir dafür sorgen, dass Pflanzen, Tiere und auch wir selbst besser mit Hitze, Trockenheit und Starkregen zurechtkommen?
Genau darum ging es beim Green Makes-Stammtisch am 30. September im Apollo in Mondsee. Rund 12 Interessierte kamen zusammen, um sich mit Dr. Mag. Robert Siller über klimafitte und naturnahe Gärten auszutauschen.

Er studierte Umweltsystemwissenschaften, absolvierte zusätzlich eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gartengestaltung und Biodiversität. Seine wichtigste Botschaft: Klimafitte Gärten beginnen nicht bei der Pflanze, sondern im Boden.
Ein gesunder Boden ist das A und O
Ein guter Humusanteil macht den Boden widerstandsfähiger: Er speichert Wasser, mobilisiert Nährstoffe, sorgt für eine gute Bodenstruktur und bietet Lebensraum für unzählige Bodenorganismen. Gerade der trockene Sommer 2026 hat gezeigt, wie wichtig das ist – Flächen mit wenig Humus waren schnell braun und ausgetrocknet.
Deshalb gilt: Bodenleben fördern statt ständig umgraben und somit zu viel einzugreifen. Kompost ist dabei echtes „schwarzes Gold“. Auch Mulch schützt den Boden vor Hitze und Austrocknung. Stroh, Schafwolle oder dünn aufgetragener Rasenschnitt können dafür verwendet werden.
Und beim Gießen? Lieber seltener und dafür gründlich („durchdringend“). Und dabei nicht vergessen, dass nicht die Pflanzen, sondern der Boden bewässert werden soll. Regenwasser kann in Zisternen und Regentonnen gesammelt werden und punktuelle Bewässerung hilft, Wasser gezielt dorthin zu bringen, wo es gebraucht wird.
Mehr Natur darf sein!
Ein klimafitter Garten muss keineswegs wild oder ungepflegt aussehen. Siller brachte dafür einen schönen Begriff mit: „ordentlich unordentlich“. Klare Wege und Strukturen können mit naturnahen Bereichen kombiniert werden.

Ein „wildes Eck“, eine blühende Wiese oder ein paar bewusst stehen gelassene Pflanzen schaffen wertvolle Lebensräume. Gerade kleine Flächen können als Trittsteinbiotope dienen und Insekten dabei helfen, von einem Lebensraum zum nächsten zu gelangen.
Auch beim Rasen lohnt sich ein Umdenken: Ein etwas lückiger Rasen mit Kräutern wie Schafgarbe oder Hornklee ist nicht nur ökologisch wertvoller, sondern kommt auch besser mit Trockenheit zurecht. Denn: Nicht alles, was im Garten „Unkraut“ genannt wird, ist tatsächlich ein Problem.
Heimisch pflanzen, Artenvielfalt fördern
Wer möglichst viele Tiere in den Garten locken möchte, sollte auf heimische Pflanzen setzen. Sie sind an unsere ökologischen Bedingungen angepasst und bieten Insekten und Vögeln Nahrung.
Ein schönes Beispiel: Die heimische Gemeine Schafgarbe kann rund 28 Wildbienenarten als Nahrungsquelle dienen, der Gewöhnliche Natternkopf sogar rund 38. Auch heimische Gehölze sind für Vögel besonders wertvoll.
Für sonnige und trockene Standorte eignen sich unter anderem Schafgarbe, Wiesensalbei und Hornklee, aber auch nicht heimische Zierstauden wie Wollziest, Kronlichtnelken oder Katzenminze. Auch mediterrane Kräuter kommen mit Hitze gut zurecht.
Und selbst Balkonkästen können zu kleinen Biodiversitätsinseln werden – etwa mit einer Mischung aus Kräutern, Wildblumen und trockenheitsverträglichen Pflanzen.
Auch Gemeinden können viel bewegen
Klimafitte Gestaltung ist nicht nur im eigenen Garten möglich. Auch Gemeinden und Städte haben viele Möglichkeiten, Grün- und Freiflächen besser an die zunehmende Hitze und Trockenheit anzupassen. Besonders wichtig ist dabei der Schutz neu gepflanzter Bäume: Gerade in den ersten Jahren brauchen sie ausreichend Wasser und einen guten Schutz, damit sie sich gut entwickeln können. Gießsäcke oder andere Bewässerungssysteme können dabei unterstützen.
Auch öffentliche Grünflächen, Kreisverkehre und Straßenbegleitgrün bieten großes Potenzial. Ein Beispiel aus dem Mondseeland zeigt aber auch, wie wichtig die richtige Vorbereitung ist: Bei einem Kreisverkehr wurden Wildblumen und einjährige Pflanzen angesät, die im ersten Jahr wunderschön geblüht haben. In den darauffolgenden Jahren blieb die Blütenpracht allerdings aus. In der Runde wurde gemeinsam über mögliche Gründe diskutiert – neben der zunehmenden Trockenheit könnte auch zu wenig aufgebrachtes Substrat eine Rolle gespielt haben. Das Beispiel zeigt einmal mehr: Eine klimafitte Bepflanzung beginnt mit einem guten Boden. Gerade bei öffentlichen Flächen sollte daher auf eine ausreichend großzügige Substratauflage geachtet werden, damit Pflanzen genügend Raum für Wurzeln und Wasserreserven haben. Bei Wildblumenflächen ist anschließend meist nur ein- bis zweimaliges Mähen notwendig – in besonders trockenen Jahren kann sogar ein Schnitt ausreichen.
Auch Dächer und Gebäude können Teil einer klimafitten Gestaltung werden. Gründächer schaffen zusätzliche Grünflächen, speichern Wasser und wirken kühlend. Gleichzeitig können sie dazu beitragen, dass sich PV-Anlagen weniger stark aufheizen und dadurch effizienter arbeiten. Bei Fassadenbegrünungen sollte auf geeignete Rankhilfen und ausreichend Abstand zur Fassade geachtet werden, damit die Bausubstanz geschützt bleibt.
Wichtig ist dabei nicht nur die Gestaltung, sondern auch die Kommunikation. Wenn eine Fläche bewusst naturnäher gepflegt wird, sollte das auch erklärt werden. Kleine Tafeln oder Informationen in der Gemeindezeitung schaffen Verständnis dafür, warum nicht überall regelmäßig gemäht wird – und machen sichtbar, dass vermeintlich „unordentliche“ Flächen einen wichtigen Beitrag für Klima und Artenvielfalt leisten.
Klimafit beginnt vor der eigenen Haustür
Der Abend hat gezeigt, dass es für einen klimafitten Garten nicht immer große Veränderungen braucht. Mehr Humus, weniger Bodenbearbeitung, Regenwasser sammeln, heimische Pflanzen setzen und ein bisschen mehr Natur zulassen – viele kleine Schritte können gemeinsam einen großen Unterschied machen.
Und vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis des Abends: Wir müssen nicht gegen die Natur arbeiten. Wenn wir ihr wieder etwas mehr Raum geben, kann sie uns bei der Anpassung an den Klimawandel sogar helfen.
Save the Date: Nächster Green Makes-Stammtisch
Weiter geht es am Mittwoch, 2. Dezember. Dann widmen wir uns gemeinsam mit Julia Scherndl vom Bezirksabfallverband dem Thema Abfallwirtschaft und richtiges Mülltrennen.
Wir freuen uns auf einen weiteren informativen und gemütlichen Abend beim Green Makes-Stammtisch!
Zum Weiterlesen: Tipps für einen klimafitten Garten
Wer jetzt Lust bekommen hat, den eigenen Garten oder Balkon klimafitter zu gestalten, findet online und in Broschüren viele weitere Anregungen. Empfohlen wurden beim Stammtisch unter anderem REWISA mit Informationen zu heimischen Wildpflanzen und regionalem Saatgut sowie Insekten-leben.at mit Tipps rund um Insekten und Biodiversität. Auch die Broschüre „Biodiversität im Betrieb“ der oberösterreichischen Umweltanwaltschaft und die HBLFA-Broschüre „Zukunftsbäume für die Stadt“ bieten praktische Ideen – nicht nur für Gemeinden und Betriebe, sondern auch für den eigenen Garten. Ein weiterer Tipp aus der Runde: Willbaumhaben.at – eine gute Anlaufstelle für die Auswahl zukunftsfähiger Bäume.







